Ich finde auch, dass BotW Immortals Fenyx Rising klar überlegen ist, auch wenn es absolut nicht schlecht ist. Ich mag die Steuerung und mehr Rätsel à la BotW-Schreine sind natürlich immer willkommen. Außerdem gefällt mir die wesentlich umfangreichere deutsche Synchronisation und die angemessene Komplexität. Ich kanns nicht leiden wenn ich z.B. das Inventar öffne und komplett erschlagen werde oder laufend Zeug einsammle dessen Nutzen nicht erklärt wird. Also ich habe das Gefühl es ist ein qualitativ hochwertiges Spiel, auch wenn es ein Klon auf der BotW-Welle mit schwimmt.
Allerdings haben mir auch einige Dinge nicht gefallen:
1. Das Spiel versucht einem krampfhaft einen Ubisoft-Account anzudrehen. Umgehen kann man das nur in dem man die Switch in den Flugzeugmodus versetzt. Ich finde es unerhört, dass so getan wird als wäre ein Ubisoft-Konto Zwang und man erst diesen Workaround finden muss. Ein "kein Interesse"-Button wäre hier die Kundenfreundliche Lösung gewesen.
2. Online-Shop gegen Echtgeld in einem Single-Player-Spiel geht gar nicht. In meinen Augen sollten Spiele, die sich solcher Methoden bedienen, keine Jugendfreigabe bekommen.
3. Ich finde das Design der meisten Charaktere nicht hübsch. Ich könnts natürlich nicht besser, aber sie haben für mich einfach nichts sympathisches an sich. Das Design des Protagonisten aus dem ersten "Gods and Monsters"-Teaser hat mir besser gefallen. Dasselbe gilt für die Animationen in den Cut Scenes, die wirken ähnlich awkward wie aus einem Sims-Spiel
4. Die Welt ist nicht glaubwürdig. BotW fand ich in dieser Hinsicht auch nicht perfekt aber wesentlich besser. In Immortals Fenyx Rising erinnert die Welt an einen Mythologie-Themenpark mit nur einem Besucher (kann Adi nur beipflichten). Das künstliche Feeling kommt auch daher, dass viele Rätsel komplett unabhängig von der Welt in die Landschaft gesetzt wurden. Ich weiß, dieses Konzept wird von Entwicklern oft hoch gelobt, weil so unterschiedliche Teams an unterschiedlichen Bestandteilen des Spiels unabhängig arbeiten können. Aber ich finde es reißt ordentlich aus der Atmosphäre heraus wenn Schreine (oder Gewölbe des Tartaros, wie sie in IFY heißen) und deren Inhalte wie absolute Fremdkörper im Kontext der Welt wirken.
Ich habe gerade die Story von Metro Exodus durchgespielt.
Ein Single-Player-Ego-Shooter der lineare Schlauch-Level mit verschiedenen offenen Spielwelten verbindet. Die Story der vorherigen Metroteile muss man nicht zwingend kennen, um Exodus zu verstehen. Ich finde die Geschichte ist ganz nett aber auch ein bisschen klischeehaft und teilweise mit Settings aus unterschiedlichen existierenden Werken zusammengebastelt. Es ist auch super seltsam dass der Protagonist im Spiel nicht sprechen kann, während der Ladebildschirme aber schon die aktuelle Lage erklärt. Das ergibt mitunter unabsichtlich skurrile Situationen. Beispielsweise versuchen im Laufe der Story andere Mitglieder aus der Bande des Protagonisten ihn per Funk zu erreichen und er antwortet nicht. Ob er nicht antworten kann, nicht will oder man sich vorstellen muss, dass er antwortet, bleibt unklar. Im Spiel wird dabei nie darauf eingegangen, dass er nicht redet, es scheint als würden die NPCs das gar nicht zur Kenntnis nehmen. Man fühlt sich Teilweise wie Kenny aus South Park oder wie ein kleines Kind über dessen Kopf alles hinweg bestimmt wird, statt wie ein vollwertiges Mitglied der Bande. Die Dialoge sind teilweise gewöhnungsbedürftig geschrieben aber hochwertig auf deutsch vertont. Das Gameplay ist abwechslungsreich genug aber gleichzeitig nicht zu komplex. Es gibt ein Crafting-System, jedoch gibt es nur zwei verschiedene Rohstoffarten zu sammeln, was ich begrüßenswert finde. Die Grafik ist (denke ich) gut aber das ist wohl von der Leistungsstärke des Rechners abhängig.
Einige Passagen des Spiels sind recht unheimlich gemacht und es gibt ein paar Horror-Elemente, allerdings ist es nicht mehr ganz so häufig klaustrophobisch wie in den ersten beiden Teilen der Spielreihe (die ich auch sehr mag).
Das abwechslungsreiche Leveldesign gefällt mir gut, kein Teil des Spiels fühlt sich zu sehr in die Länge gezogen an. Wer die offenen Welten mehr erkundet als story-technisch notwendig, wird gelegentlich mit Hilfsmitteln belohnt, die den weiteren Spielverlauf erleichtern - beispielsweise mit einem Nachtsichtgerät oder einem Detektor zum Finden von Crafting-Material.
Wer gerne post-apokalyptische Welten erkundet, Spaß an gelegentlichem Geballer und insgesamt zirka 20-30 Stunden Zeit mitbringt, für den ist Metro Exodus sicher eine gute Wahl - vor allem im Angebot.