Schon witzig wie der Nachfolger des "ersten, schwarzen Präsidenten der Vereinigten Staaten" ein offenkundiger Unterstützer des Ku-Klux-Klans ist.
Trump war nur insofern eine bessere Wahl, als dass seine Wahl Schlimmeres verhindert hat. Im Vornherein hat er bereits angedeutet, dass er das Ergebnis eventuell "nicht anerkennen würde", einige seiner Anhänger sprachen auch davon, zu den Waffen zu greifen, sollte Clinton gewinnen (Ein hoch auf die Waffenfreiheit). Zwar sprach die deutsche Presse davon, dass das bürgerkriegsähnliche Zustände hervorgerufen hätte, halte ich aber ehrlich gesagt für etwas überspitzt. Dennoch hätte ich Unruhen nicht vollkommen ausgeschlossen, selbst wenn Trump sämtliche kindische Aktionen unterlassen und seine Niederlage eingestanden hätte.
Wieso? Weil ein großer Anteil seiner Befürworter stammt nämlich auch aus der rechtsradikalen Szene, die auch in den USA existiert, auch wenn sie dort immer totgeschwiegen wird. Wir erleben es in Deutschland häufig genug, wie schnell es bei den Neonazis zu Ausschreitungen kommt und ein ähnliches Gewaltpotential schreibe ich auch Rechtsradikalen in den USA zu. Dass dort faktisch jeder eine Waffe tragen darf, verschärft die Situation nur noch mehr, aber das nur so am Rande. Trump wirkt auf solche Anhänger besonders gut, vor allem wenn er antisemitische, antimuslimische, frauen- und behindertenfeindliche Hetzreden schwingt. Denn in meinen Augen ist Trump ein Rassist, noch bevor er ein Geschäftsmann oder "Politiker" ist.
Und je genauer ich mir diesen Mann anschaue, desto mehr Parallelen fallen mir zu Hitler auf. Einerseits der Rassismus, aber vor allem sind beides Populisten, die dem unzufriedenen Teil der Bevölkerung die Dinge erzählen, die sie hören wollen, zeigen Schuldige auf, aber keine fundierten oder realistischen Lösungen. Beide haben mehr durch die ihre Art zu Reden, als ihre eigentlichen Inhalte Wirkung erzielt und beide haben die Medien und die Presse für sich genutzt. Gerade als Geschäftsmann sollte Trump wissen, dass es so etwas wie "schlechte Presse" nicht gibt. Der einzige Unterschied zwischen den beiden ist, dass Hitler in erster Linie Politiker, in zweiter Linie Soldat im ersten Weltkrieg war und ich Hitler definitiv mehr Erfahrung zuschreibe als Trump. Im Gegenzug spricht Trump aber so, dass kaum einer ein Problem hat, seine Aussagen wirklich nachzuvollziehen, greift dabei nicht auf politische Euphemismen zurück. Er tritt als Mann des Volkes auf, genauso wie Hitler früher seine Reden an die Arbeiterschicht gerichtet hat und sich auch (zur damaligen Zeit) sehr präzise und leicht verständlich ausgedrückt hat. Jeder wusste, was er wollte. Den Salat vom Mittagessen, der Hitler immer zu unter der Nase hing, trägt Trump halt auf dem Kopf. Der Unterschied ist nicht groß.
Was mich aber am meisten beunruhigt, ist Trumps Art. Vieles von den Dingen, die er gesagt hat, waren sicherlich mit Absicht kontrovers, überspitzt, schlichtweg unrealistisch, beleidigend und vulgär. Manche seiner Aktionen würde ich aber sogar als zu krass bezeichnen und der Wahlkampf wäre ganz sicher nicht die Schlammschlacht geworden, die er war, wenn Trump nicht Präsidentschaftskandidat gewesen wäre. Angefangen von seiner Mauer, über Einwanderungsverbote für potentielle Terroristen bis hin zu seinen Äußerungen über seine eigene Tochter und Frauen allgemein - Trump ist unberechenbar.
Und ich weiß nicht wie viele andere das hier sehen, aber mir macht es Angst zu wissen, dass ein so unberechenbarer Mann Zugang zu den Atomcodes bekommt. Klar, viele sagen: "Das und das macht er doch eh nicht". Aber ganz ehrlich, wer würde es ihm nicht zutrauen, dass er seine Worte tatsächlich in die Tat umsetzt? Für so verrückt halte ich diesen Mann sogar.
Für die USA macht es das ganze nicht besser, dass Trump so unberechenbar zu sein scheint. Keiner kann sich wirklich darüber sicher sein, was er tun wird. Er vertritt einerseits zwar konservative Positionen, ist ein Feind des Welthandels und äußert sich abfällig über Minderheiten, sucht auf der anderen Seite aber Annäherung an Russland und will gegen die Korruption in der Politik vorgehen und tritt damit schon fast wieder progressiv auf. Keiner kann sagen, was von seinen Worten nur "gesponnen" war und was er davon wirklich in die Tat umsetzen will. Keiner weiß, wie seine ersten Schritte als Präsident aussehen werden. Und vor allem weiß keiner, welche Folgen seine Präsidentschaft für die USA und die Welt haben wird. World War III oder "Make Amerika Great Again"?
Das kann so ziemlich keiner sagen und ich fand bei noch keinem Politiker diese Unsicherheit so enorm wie bei Trump. Ein klareres Bild über diesen Mann wird sich erst dann herausstellen, wenn seine Amtsperiode begonnen hat. Von dem her will ich ihn eigentlich nicht im Vornherein als den schlimmsten Präsidenten der USA abstempeln (auch wenn es mir mit meiner pessimistischen Einstellung schwer fällt).
Zusammenfassend: Wie stehe ich zu Trump?
Ich kann mir kein klares Bild von ihm fassen, ich kann nicht sagen welche Worte Übertreibungen und welche Worte wahre Vorhaben waren. Ich weiß nicht, was in den nächsten Jahren durch Trump auf mich und die Welt zukommen wird - aber ich befürchte gleichzeitig das Schlimmste und gehe vom Besten aus. Trump scheint vollkommen ungeeignet, hat aber die Meinung des Volkes ausgesprochen, genug Unterstützer gewonnen und ist deswegen Präsident geworden. Er ist ein Populist und Feind vieler Minderheiten will gleichzeitig Amerika wieder großartig machen. Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr Widersprüche finde ich in diesem Mann. Widersprüche, die sich erst auflösen werden, wenn er wirklich als Präsident im Amt tätig ist.
Um gleichzeitig eine andere Frage zu beantworten: Wäre Clinton eine bessere Wahl gewesen? Auf längere Sicht: Kann ich nicht sagen. Aber hier muss ich gestehen, ich weiß nicht genug über Clinton, zu wenig, damit ich ihr meine Stimme gegeben hätte, allerdings erscheint sie mir auf längere Sicht geeigneter als Trump. Jedoch machen viele andere Aspekte sie nicht weniger gefährlich als Trump. Wie viele schon sagten, es ist eine Wahl zwischen Pest und Colera gewesen. Wäre ich Amerikaner gewesen, ich wäre wohl nicht wählen gegangen. Ganz einfach, weil ich mich nicht entscheiden könnte, wem ich am wenigsten vertraue.
(Ich hätte meine Stimme aber wohl auch am ehesten Bernie Sanders gegeben, davon abgesehen...)