Keiner schreibt hier außer mir. Ich beanspruche diesen Thread jetzt adisches Staatsgebiet.
In den letzten Wochen habe ich zwei Manga-Gems gefunden und verschlungen und kann beide eigentlich mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
Spy X Family
Ein Comedy-Manga mit einer relativ einfachen Prämisse: Der Spion Twilight wird damit beauftragt den engeren Bekanntenkreis eines hochrangingen Politikers einer verfeindeten Nation zu infiltrieren, um einen drohenden Krieg zu verhindern. Um dies zu bewerkstelligen soll er eine Familie gründen - er adoptiert also die sechsjährige Anya und sucht sich in Yor eine Frau, die er zu einer Scheinehe überreden kann. Was er nicht weiß, ist dass er grade einen Esper adoptiert hat, der Gedankenlesen kann und die professionelle Assassine geheiratet hat. Jedes einzelne Mitglied der Familie versucht also, seine wahre Identität von den anderen geheim zu halten und währenddessen eine (scheinbar) funktionierende Familie zu bilden.
Seit langem ein Manga, die ich nicht nur mega witzig und unterhaltsam, sondern auch echt herzerwärmend finde. Einerseits führen die Macken und geheimen Identitäten der Drei immer wieder zu verzwickten Situation, sodass selbst ein Vorstellungsgespräch bei einer Schule wie 5D-Schach wirkt und genauso absurd aufgezogen wird. Dann wiederum schweißen die verschiedenen Umstände die Familienmitglieder doch immer fester zusammen. Aber schließlich schwebt über all den alltäglichen Szenarien aber dennoch die Gewissheit, dass die Existenz dieser Familie nur auf Zeit basiert. Denn mit der immer näher rückenden Erfüllung von Twilights Auftrag, verliert auch die Existenz dieser Familie irgendwann ihre Notwendigkeit, sodass all die schönen Familienmomente doch immer von einem melancholischen Unterton begleitet werden. Und dabei ist es nicht mal kitschig, es ist einfach nur süß.
Der Manga ist leider noch nicht abgeschlossen, aber die ersten 47 Kapitel sind bereits draußen. Kann ich nur empfehlen, wenn man in der Stimmung für total cute Comedy ist. :3
Chainsaw Man
Und jetzt... komplett anderes Ende des Spektrums.
Ich hatte letztens schon von Jujutsu Kaisen geschrieben und Chainsaw Man ist ein ähnliches Kaliber. Auch wenn ich sagen würde, mindestens doppelt so brutal, dreimal so bekloppt und viermal mehr auf Crack. Und was anderes kann man eigentlich nicht von jemandem erwarten, aus dessen Feder Fire Punch stammt.
Wem das nichts sagt - Kurzfassung: Es geht um einen Kerl in einer Eiszeit, der permanent brennt. Joa. Ich glaube die zweite Hälfte des Titels erklärt sich da von selbst.
In einer Welt, wo Devils die Menschheit terrorisieren, arbeitet Denji als Devilhunter mit seinem Kameraden Pochita - auch ein Devil, der zur Hälfte eine Kettensäge ist. Die Mafia will Denji wegen den Schulden seines verstorbenen Vaters an den Kragen und als er kurz vorm Tod steht, vereint er sich mit Pochita und erhält die Fähigkeit... sich Kettensägen aus dem Kopf und den Armen wachsen zu lassen. Ja, daher der Name.
Schnell wird die Devilhunter Organisation auf ihn aufmerksam und deren vorgesetzte Makima nimmt ihn unter ihre Fittiche. Denji, der bislang verschuldet und recht mittellos gelebt hat, bekommt dank ihr ein besseres Leben geschenkt, kann endlich vernünftig essen, hat ein Dach über dem Kopf, baut Freundschaften zu seinen Kollegen auf und entwickelt einen Crush auf Makima.
Chainsaw Man ist das Ergebnis, wenn man Jujutsu Kaisen von Quentin Terentino schreiben lassen würde. Das Setup ist ähnlich, aber während Jujutsu Kaisen die Allgegenwärtigkeit von Tod als ständigen Begleiter thematisiert, sozusagen das "Memento Mori", sehe ich in Chainsaw Man eher das "Carpe Diem". Dementsprechend anders ist die Stimmung, denn Chainsaw Man geht mehr auf Themen wie Gewalt und Sex ein, tut gerade letzteres aber ohne sich klassischen Ecchi-Klischees zu bedienen, sodass es trotzdem erfrischend und glaubhaft ist. Dennoch kann der Plot ebenfalls um sich schlagen wie ein aufgestacheltes Känguruh. It will hurt you. You have been warned.
You have also been warned: Der Manga wird stellenweise etwas eklig im Bezug auf Erbrochenes. (Muss man nicht geil finden, zum Glück sind es nur wenige Stellen, aber ich haue den Disclaimer trotzdem hier rein.)
Achtung - Minor Spoiler zum Ende
Und weil ich das unbedingt loswerden will - der Autor kann leider keine guten Enden schreiben. Fire Punch war gegen Ende schon mega unbefriedigend und auch dieses Exemplar ist... eh, irgendwie erzwungen. Ich hab das Gefühl, dass der Autor sich am Ende dann doch viel aus den Finger saugen musste.
Chainsaw Man ist in 97 Kapiteln abgeschlossen, ein Sequel soll irgendwann folgen. Ich kann es Leuten empfehlen, die Jujutsu Kaisen mochten und gern Over-the-top Kram lesen. Eine Anime-Adaption ist auch angekündigt, hat aber noch keinen Start-Termin.