Was soll ich sagen, ist irgendwie alles sehr undurchsichtig gerade für mich. Merkels Fortgang wird ein richtiges Loch hinterlassen, nicht nur in der Politik, sondern auch im gesamten Vibe unserer Gesellschaft. Was ich an ihr sehr geschätzt habe, war ihre gelassene, abgebrühte Art, ohne dabei wie Mark Zuckerberg wie ein totaler Echsenmensch rüberzukommen. Klar war sie nicht perfekt, ihr Ansehen hat zwischendurch natürlich auch gebröckelt, aber insgesamt war "Mutti Merkel" schon eine Hausnummer für sich. Nicht korrupt, nicht skandalös, kein Rambo, kein Arschloch, aber auch nicht harmlos oder weich. So jemand 16 Jahre lang an der Spitze wirkt sich schon aus auf das Gefühl einer Bevölkerung, auf deren Blick aufs eigene Land, glaube ich. Ich, zumindest, war schon ein bisschen Stolz darauf, zu Zeiten von Trumps, Bolsonaros, Erdogans oder Orbans einen Vertreter zu haben mit einer weitaus seriöseren Ausstrahlung.
Was sich also Gesellschaftlich tut (falls überhaupt), wenn bald ein anderer Wind weht, und wie das die Wahrnehmung im Land von dessen Problemen und Stärken beeinflusst, kann ich nicht sagen. Entsprechend schwierig fällt es mir, darüber zu entscheiden, was das Land demnächst brauchen wird. So viel vorweg.
Wie die meisten hier finde ich Laschet ziemlich lasch, bin aber auch bezüglich Baerbock und Scholz nicht sehr enthusiastisch.
Baerbock ist in meinen Augen jemand, der weiß, wohin sie will, jedoch keinen Plan hat, wie sie dahin kommt. Eine verträumte Idealistin, die den Erwartungen ihrer Wähler nicht gerechtwerden wird - hoffentlich, wie manche sagen, mit Blick auf das Wahlprogramm der Grünen.
Laschet und Scholz sind beide schon ungefähr da, wo sie hin wollen, aber haben auch keine gute Vorstellung, wie es weitergehen soll. Beide wären in der Lage, den Laden am Laufen zu halten, aber mutige Erneuerungen traue ich ihnen nicht zu.
Gewählt habe ich die FDP. Per Brief, da ich zum Zeitpunkt der Wahl nicht zuhause sein werde. Die stehen weiterhin für das, was ich am vielversprechendsten finde: Soziale Marktwirtschaft, Bildung, Abbau von Bürokratie, etc.
Klimaschutz ist mir ein Anliegen, doch ist ein umweltschonender Lebensstil in der Regel weniger eine Frage des Wollens, mehr eine des Wohlstandes. Solarplatten auf dem Dach erfordern ein Eigenheim, Elektroautos sind zu teuer für die meisten, genauso wie fancy Bioprodukte. Ohnehin ist Deutschlands Ausstoß von Treibhausgasen bzw. dessen Reduzierung nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein, global gesehen. Wenn überhaupt, haben wir eine Vorbildfunktion für andere Länder und die werden wir nicht behalten, wenn wir uns ruinieren mit Klimaschutz.
Steigende Mietpreise gehen auch mir auf den Keks, aber ich glaube nicht, dass den Wohnungsanbietern das Geschäft zu vermiesen hier eine nachhaltige Lösung ist.
Das wär's erstmal von mir.

