Leistungsdruck in der Gesellschaft

  • Schneller. Stärker. Besser. Perfekter! Ich denke mal jeder hat diese Worte schon gehört. Ich gebe zu, dass ich emotional beeinflusst bin, aber dieses Thema wird wohl schon in jedem unserer Köpfe gewesen sein. Für mich ein gutes Diskussionsthema (gut ist jetzt wieder relativ). Mhm... kein guter Start für nen Thread. Ich weiß. Mir brummt auch ziemlich der Kopf, aber ich denke mal ein Großteil wird wissen auf was ich hinaus will. Zwar gibt es einen ähnlichen Thread 'Gesellschaft', aber mir gehts hier rein um den ständigen Leistungsdruck. Das Thema wird sicher noch mehrere hier beschäftigen. Na ja, ich hinterlass jetzt mal kurz und präzise meine Meinung.


    Meiner Meinung nach führt es einfach zu nichts wenn man den Menschen immer mehr Druck macht. Seitdem der Mensch weiß, dass es Maschinen gibt haben sie wohl selber den Plan so zu funktionieren. Was bei vielen auch das Burnout-Syndrom erklärt (wärs nicht kennt kann ja auf Wikipedia oder Google nachschlagen). Wir leben sowieso in einer Ellbogengesellschaft, doch irgendwie will es einfach nicht in meinen Kopf gehen, dass Leistung/Qualität über all den Werten steht, die viel mehr Bedeutung haben. In welcher Welt leben wir, dass wir jahrelang für etwas lernen, wenig Geld bekommen (das kommt ja auch noch hinzu) und dann schauen können wo wir bleiben? Was ist passiert? Ich bin schlecht in politischen Dingen und ebenso in gesetzlichen Dingen (hab da nicht so den Überblick), aber wo hat sich was verändert, dass wir so geworden sind? Was war der Auslöser für all das. Ich seh da einfach keinen grünen Zweig und wünsche mir manchmal schon, dass es ein wenig - nur ein wenig - wie früher ist, wo man noch zwangloser mit all dem umgehen konnte. Jetzt heißt das nur noch für alle Kinder dieser Welt: Schule, Bewerbungen schreiben, Ausbildung, Arbeit, Rente. Irgendwo da gehen alle moralischen Werte unter. Einfach traurig so was.


    Jetzt könnt ihr euren Senf dazu beitragen. Danke. Wie immer.
    [SIZE=7]Muss mich nochmal entschuldigen für mein WirrWarr, aber bin gerade nicht zu mehr fähig.[/SIZE]

  • Ich glaube, das "Problem", das du hier beschreibst, lässt sich mit zwei Worten zusammenfassen: erwachsen werden. ^^
    Natürlich war früher alles unbeschwerter und einfacher. Früh aufstehen, Schule, danach Freizeit, einfacher Tagesablauf eben. Nix mit selber Geld verdienen, sich um Kranken- und Rentenversicherung kümmern, Rechnungen bezahlen und dabei ständig auf den Kontostand achten. Ich kann das zwar nicht mit voller Gewissheit sagen, aber ich denke nicht, dass der gesellschaftliche Druck bezüglich der eigenen Leistungen in den letzten 100 Jahren wirklich so extrem angestiegen ist, wie es dir vielleicht vorkommt. Nur hat man das eben als Kind nicht wahrgenommen. In dem Moment, in dem du dich plötzlich um dich selbst kümmern musst, wird dir das erst bewusst.
    Und nur weil dieses "Burnout"-Syndrom einmal jährlich die Titelgeschichte im Spiegel ist, muss das noch nicht heißen, dass es in den letzten Jahren viel schlimmer geworden ist...

  • Ich hasse den gottverdammten Leistungsdruck momentan. Besonders weil man so etwas durch ein wenig Umstrukturierung verhindern hätte können, indem man die abgefragte Leistung nicht innerhalb von 60 Minuten raushauen müsste sondern nach und nach.


    Ich schreibe morgen, Freitag den 1.2., eine Prüfung mit einer durchschnittlichen Durchfallquote von 75%. Sollte ich nicht bestehen, habe ich die letzten 2 Jahre meines Lebens und an die 8000 Euro in den Sand gesetzt, mich und meine Familie enttäuscht, meinen derzeitigen Traum zerstört und absolut keinen Plan B. Dabei gibt es keine zweite Chance und es hilft kein Betteln oder Flehen.




    In diesem Sinne... schönen Abend noch. :xugly:

  • @ Zweistock: Ich würde sagen der Leistungsdruck ist eben doch angestiegen. Wenn ich mit Leuten im Alter von 60, 70, 80 rede, dann sagen die, dass es früher viel stressfreier war. Als diese Leute jung waren gab es tatsächlich Arbeitermangel in Deutschland, mehr Arbeit als Leute. Wenn die dem Chef gesagt haben, ich komm morgen nicht, weil ich keinen Bock habe, dann war das teilweise einfach so. Der Chef war auf seine Arbeiter angewiesen und konnte sie nicht kurzerhand austauschen. Wirklich wahr, sowas wurde mir öfters erzählt. Ein alter Maurer hat erzählt, wie sie auf der Arbeit sich einfach besoffen haben und als der Chef kam und meinte sie müssten nun mal arbeiten, kam nur ein"Halt dein Maul, morgen vielleicht!" zurück. Selbst wenn der Chef einen rausgeschmissen hätte, wäre direkt um die Ecke der nächste Arbeitsplatz frei gewesen.


    Man musste früher körperlich härter arbeiten, aber nicht so mit Druck und Existenzangst im Nacken. Man schaue sich auch die alten staatlichen Unternehmen an, wie die Bahn oder die Post, die ja sogar daran kaputt gingen, dass die Leute einen "zu" entspanntem Job hatten.
    Vorschriften und Gesetze wurden nicht so ernst genommen wie heute. Da hat der Beamte noch mal gerne ein Auge zugedrückt und der Zimmermann schwarz gearbeitet.


    Also meine Erfahrung in Form von Nacherzählung zeichnet ein ganz deutliches Bild.

  • An der Nacherzählung mag's wohl liegen ^^
    Stamme ja aus einer Familie, die früher (also so 2 Generationen über mir) eher härtere Zeiten durchmachen musste. Da kann ich mich heute vergleichsweise in einer luxuriösen Situation sehen.
    Aber man weiß nie, wie viel Romantisierung in solchen Nacherzählungen steckt, da sehe ich das Problem. So, wie sich unsere Umwelt schon rein äußerlich in den letzten Jahren verändert hat, kann ich mir gut vorstellen, dass viele Menschen einfach ihre früheren, "jungen" Jahre als glücklichsten Abschnitt ihres Lebens im Kopf haben. Und dann war früher eben alles besser gewesen sein, als heute, spätestens wenn man feststellt, dass man auf einmal älter geworden ist :weary_face:

  • Zweistock: Das war damit eigentlich nicht gemeint. Im Gegenteil. Früher gabs ja auch so seine Probleme, aber ich finde halt, dass der Leistungsdruck echt enorm gestiegen ist. Wenn ich mir denke wie die Anforderungen bei manchen Arbeiten sind, zumal es schon krass ist, dass man so gewisse 'Kontakte' braucht um überhaupt an einen Job zu kommen (ist bei uns teilweise echt so). Mir gehts nicht nur um die Jammerei "Früher war alles besser", sondern allgemein wie sich die Menschen mit dem Thema 'Leistung' befassen. Wenn etwas nicht gute Qualität hat wird's gleich weggeschmissen (Beispiel: McDonalds - echt schockierend wie man da mit dem Essen umgeht, aber gut das ist auch Fast Food). Mir würde da sicher noch mehr einfallen, aber irgendwie lässt das meine aufkommende Müdigkeit grade nicht zu.


    Mit der Ellbogengesellschaft meinte ich, dass einem kaum was gegönnt wird. Gut, dass ist jetzt eher ne Youtubesache, aber so als Beispiel:



    Mhm... ja ich denke auf das wollte ich hinaus. Nur ne kleine Zusammenfassung. Weiß nicht ob das jetzt wirklich hilfreich war. Die Karrikatur hatte ich zwar etwas anders im Kopf, aber so ungefähr stell ich mir das - leider - grade vor. Ich find es einfach Schwachsinn wie sich die Menschen immer mehr unter Druck stellen (innerhalb und außerhalb des beruflichen Bereichs) und die moralischen Werte sprichwörtlich den Bach runtergehen.


    Wo bleibt da die Gerechtigkeit? - frage ich mich. Ich war ja selbst mal in Klinik und konnte da Menschen sehen die nur, wirklich NUR wegen Überarbeitung in Therapie mussten. Freilich sind nicht alle so labil, aber ich schätze jene die sich einbilden es alleine zu packen stehen meist zum Ende mit leeren Händen da. Ich weiß auch nicht. Ich finde das führt einfach nirgendswo hin. Irgendwann werden wir sicher an dieser Einstellung scheitern. Damit mein ich nicht uns, sondern jene Leute, die diese Einstellung mit sich rumtragen und meinen damit eine "bessere Gesellschaft" zu machen. Einfach Schwachsinn! :grinning_face_with_sweat:

  • Jetzt muss ich auch einfach mal was dazu sagen.
    Möglich, dass ich den Leistungsdruck nicht sehe, weil ich nie Probleme hatte. Meine Noten waren in Ordnung aber nicht der Burner. Ich hatte damit trotzdem kein Problem und konnte meinen Traum-Studiengang anfangen. Und dort war es genau so: Wer was leistet, im Sinne von Lernen und sich den Stoff erarbeiten, hat auch kein Problem, die Klausuren zu schaffen und weiter zu kommen. Ich stehe inzwischen direkt vor meiner Bachelor-Arbeit und freue mich auch richtig darauf. Klar hat man ab und an Klausurenstress, allerdings nicht mehr oder weniger, als anderswo, das gehört einfach dazu.
    Das was Gizmo beschreibt habe ich auch schon von anderen Studiengängen gehört, die jedes Jahr mit über 500 neuen Sutdenten starten... Nur, dass diese Klausuren echt ein Knock-Out bedeuten können, war mir neu. Ich war immer der Ansicht "Wo eine Wille ist, da ist auch ein Weg".


    Und ich muss ehrlich sagen: Ich finde den Leistungsdruck gut, oder besser: Ich vermisse in an mancher Stelle sehr. Jeder, der ein paar Lehramtsstudenten kennt, weiß was ich meine. Gerade unter Beamten und im öffentlichen Dienst, bräuchte es mehr Leistungsdruck und Konkurrenz. 80% der Lehramtsstudenten die ich kenne, halte ich für absolut unfähig gute Lehrer zu werden. Das sind Leute, die nach dem Abi ncihts mit sich anzufangen wussten und dann halt ihre Lieblingsfächer auf Lehramt machen. Warum auch nciht? Der Job ist sicher, die Bezahlung ist nicht mal sooooo mieserabel und man hat auch relativ viel frei (ja, ich weiß, dass das gerne als unwahres Klischee abgetan wird. Ich hatte LA-Studenten als Mitbewohner, ich weiß das es trotzdem stimmt).
    Um auf den Punkt zu kommen: Jeder von uns hatte bestimmt mindestens einen Lehrer, der absolut nicht getaugt hat. Und warum ist das so? Weil auf Lehrer kein Leistungsdruck ausgeübt wird. Die müssen es nur bis zur Verbeamtung schaffen und dann haben sie in der Regel ausgesorgt, egal, was sie fabrizieren oder leisten.
    Die Andere Seite der Medallie, dass in der freien Wirtschaft nichts mehr sicher ist, einem jeden Tag gekündigt werden könnte, ist natürlich unschön, aber in unserer heutigen Welt einfach notwendig. Im Zeitalter der totalen Globalisierung ist das wichtigste die Qualität um sich durchzusetzen. Ist dein Produkt oder deine Arbeit ungenügend, dann wirst du ersetzt. So einfach, so fatal ist es leider.


    Ich denke, dieser Gewaltige Leistungsdruck ist zwar nicht gerade schön, aber man sollte ihn doch eher als Anlass nehmen, sich selbst zu übetreffen, oder wenigstens sein bestes zu geben, statt darüber zu jammern, dass man darin untergeht.

  • Mereko


    Du zielst jetzt so sehr auf das falsche Ziel [SIZE=7]wasn Satz xD[/SIZE] Mir gehts jetzt eher um den Leistungsdruck außerhalb der Schule. Hatte ich auch extra betont, aber ich schätze mal das eine Wort 'Note' verleitet sehr schnell zum Schulthema (da hab ich ja eh ein extra Thread dazu aufgemacht). Mir geht es eher um die Arbeit. Ich weiß es gibt überall Fälle wo es heftig werden kann Therapie und dergleichen. Nur sagt mir mein Gefühl, dass wirklich alles schneller werden soll. Das ist eigentlich schon das Schlagwort.


    Zudem - was ich sehr schade finde - wird beim Mäccäs (McDonalds) extrem viel weggeworfen. Das 'schöne' Essen (die Meinung über's Essen ist dann wieder sehr geteilt - bin ja auch nicht so einer der dieses Essen gerne hypt, da ich dort nur sehr selten - gar nicht mehr Gast bin). Ich lenk grad ein wenig vom Thema ab. Na ja, auf alle Fälle geht's mir um genau diesen Leistungsdruck. Es gibt teilweise Arbeitsstellen wo die Arbeiter unterfordert sind, dann wieder welche wo die Arbeiter schlichtweg überfordert sind und die Chefe sind - wie man so schön sagt - richtige Asholes (ich hoffe das Wort zählt, habs extra auf Englisch geschrieben). Das ist wirklich traurig. Wir werden praktisch zu kleinen Maschinen antrainiert. Immer früher werden die Kinder in die 'ach so geliebte' Arbeitswelt eingeweiht. Natürlich sind Praktiken guten, aber die Menschen werden ja auch immer mehr, die Arbeitsplätze - weiß der Teufel wieso - immer weniger und alles nimmt einfach - in meinen Augen - keine gute Form an.


    Schwer zu beschreiben. In meinen Kopf klingt das alles jetzt irgendwie logischer. Was mich auch noch stört sind die ständigen Neidereien. Natürlich gibt's die überall, aber warum muss man sich heutzutage für jeden ... rechtfertigen? Versteh ich nicht. Das Schockierende ist nur dann wenn man das aus den eigenen Kreisen hört (darauf geh ich jetzt nicht weiter ein). Gemobbte gibts ja auch nicht nur in den Schulen, aber ich kenne genug Menschen die gerade wegen diesem ständigen Druck fast an die Decke gehen.


    Kurzum: Wir machen uns damit alle gegenseitig fertig. Was bringt das? Dieser Leistungsdruck ist in meinen Augen ebenso sinnvoll wie einem Schwein fliegen beizubringen. Das Einzige was man mit dieser Hetzerei erreicht ist Nichts. Einfach Nichts. Und es gibt immer mehr Kinder *mal zur Erziehung kurv* sehen sich das dann natürlich von Mami und Papi ab.


    Ich hoffe ich hab es jetzt verständlicher ausgedrückt. :nick:


  • Das kann ich leider nicht nachvollziehen, besonders den Punkt mit dem Niedermachen bei überdurchschnittlichen Leistungen, denn ich habe die Erfahrung gemacht dass Menschen diese überdurchschnittliche Person mehr als Vorbild und/oder 'Lehrer' wahrnehmen, um die eigenen Leistungen auf ein vergleichbares Niveau zu heben und so bessere Ergebnisse erzielen.


    Aber du hast auch recht mit dem, dass man als Mensch mittelprächtiger Leistungen es nicht sonderlich weit bringen kann. Wenn man unter der Konkurrenz nicht heraussticht, wird man leicht außen vor gelassen. Wobei man auch wissen sollte, dass man heutzutage auch reichlich Möglichkeiten hat solche 'herausstechenden Eigenschaften' zu erwerben, sei das durch Weiterbildung oder Auslandsaufenthalte.


    Ich bin auch der Meinung, dass dieser enorme Leistungsdruck von dem wir hier gerade reden fast nur ein Deutsches bzw. europäisches Problem ist. Ich habe schon von vielen Leuten, die ein Auslandsjahr in Neuseeland, Australien oder Amerika gemacht haben, dass es in jenen Ländern "so dermaßen entspannt" gewesen sein muss. Wenn man sich die Vorurteile ansieht die "Ausländer"(keine Immigranten) über uns Deutsche haben, so fällt einem schnell auf, dass sich der dieser Leistungsdruck in vielen dieser Klischees widerspiegelt. Insofern zeigt das, dass man in unseren Zeiten, trotz Globalisierung, Outsourcing und Immigrationsströmen, noch ein normales Leben ohne allzu großen Stress führen kann.

  • Der Leistungsdruck, wenn man es so nennen will, fängt in der Schule an und auch sonst überall. Kinder machen Sport im Verein und der Verein soll dann natürlich der Beste sein, die Liste in der eigenen Sportart anführen. Die Eltern erwarten in der Schule, dass ihre Kinder gute Leistungen bringen, damit sie später mal einen guten Job machen können. Im Job Muss man was leisten, um nicht in der Masse unterzugehen. Der Leistungsdruck existiert überall, nicht nur in der Schule und nicht nur außerhalb. Das eine vom anderen zu trennen wäre falsch. Man muss es als ganzes sehen.


    FTR hat mich eben auf was wichtiges gebracht. Es ist hier mehrfach gefallen, dass das Leben früher einfacher war, nicht so gehetzt. Hat hier jemand schon mal was von den "Deutschen Tugenden" gehört? Vor hundert Jahren galt der Musterdeutsche als der perfekte Arbeiter: Immer pünktlich, immer fleißig, demütig, strebsam, erfinderisch. Nimmt man das alles zusammen, was haben wir dann? Richtig: Leistungserwartungen von anderen. Wie man sieht: Nichts neues!

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