Der Sommer, in dem Hikaru starb (Manga & Anime)

Autor: Mokumokuren
Erscheint seit: 2021 (fortlaufend)
Deutsche Übersetzung: Ja, bei Altraverse
Anime-Adaption: Seit 2025 auf Neflix
Genre: Slice of Life, Mistery, Horror
Kurzusammenfassung:
Yoshiki und Hikaru sind seit jüngster Kindheit miteinander befreundet und gehen zusammen zur Schule in dem Dorf, in dem sie leben. Eines Tages verschwindet Hikaru jedoch plötzlich im nahegelegenen Wald und taucht erst nach einer Woche wieder auf, scheinbar unversehrt. Doch etwas stimmt nicht mit ihm, wie Yoshiki feststellt. Hikaru wirkt anders. Schnell stellt sich heraus: Hikaru ist tot. Der Hikaru, der Yoshiki jetzt gegenübersteht, ist nicht der Echte. Und nachdem Hikaru wieder aufgetaucht ist, sterben im Dorf plötzlich Menschen. (Quelle: Wikipedia)
Vor ein paar Monaten bin ich durch Zufall über Netflix auf die Anime-Adaption eines keinen Juwels aufmerksam geworden. Ich schaue heute nur noch selten Anime und bin sehr picky, aber der Teaser und die Prämisse haben genügt, um mich sofort neugierig zu machen. Zum Glück. Die Anime-Adaption auf Netflix umfasst bisher die erste Staffel mit 12 Episoden, und was soll ich sagen? Ich habe sie direkt durchgebinged, mir danach sofort auch den Manga geschnappt und bis zum aktuellen Kapitel geleseny und fand mich gefesselt und berührt, wie ich es seit langem von einem Manga nicht mehr war. Auch Mokumokurens Zeichenstil spricht mich an: Er ist ausdrucksvoll, bedient zwar gängige Anime-Stil-Elemente, ist dabei aber auch unverkennbar düster, detailliert, emotional und an den passenden Stellen auch rau und leichtherzig und passt damit sehr gut zur Geschichte, die ebenso vielschichtig und nuanciert ist.
Der Sommer, in dem Hikaru starb erzählt eine Geschichte im Gewand einer anderen Geschichte, genau wie etwas Anderes die Hülle des titelgebenden Charakters Hikaru angenommen hat.
Wir erleben das Geschehn vorrangig aus Yoshikis Perspektive, einem introviertieren, unsicheren jungen Mann, der noch zur High School geht, und bisher nicht nur mit diversen Unsicherheiten, sondern auch seinen Gefühlen für seinen besten Freund Hikaru zu kämpfen hatte. In dem ländlichen, traditionsbehaften Dorf, in dem er und andere Jugendliche seiner Generation aufwachsen, ist anders zu sein nämlich etwas weit Heikleres, als man es sich für unser modernes westliches Verständnis hierzulande noch ausdenken will.
Statt seine Gefühlswelt mit vertrauten Elementen und Konflikten auf die Probe zu stellen, wirft uns die Geschichte gleich zu Beginn eine bittere Realität vor die Füße: Hikaru, Yoshikis bester Freund und auch sein heimlicher Schwarm, ist tot. Es beginnt mit diesem Verlust und der Erinnerung an das, was nicht mehr wiederbringbar ist. Jede Chance auf Gewissheit, einen Abschied oder mehr ist damit von Anfang an ausgeschlossen. Doch woher weiß Yoshiki das so sicher? Bereits im ersten Kapitel erfahren wir, dass er seinen Freund Tag und Nacht gesucht hat, nachdem dieser verschwunden ist - und schließlich auch seine Leiche gefunden hat. Von seinem Fund traumatisiert und in sich zurückgezogen, ist Yoshiki natürlich noch aufgewühlter, als Hikaru plötzlich wieder vor ihm steht: Putzmunter und lebendig, als wäre nie etwas geschehen.
Und hier beginnt die eigentliche Geschichte: Yoshiki konfrontiert "Hikaru" mit seiner Vermutung - der, ertappt und davon verunsichert, sogleich außer Rand und Band gerät und seine wahre Natur offenbart - nur um ihn herzzereißend darum zu bitten, niemandem die Wahrheit zu sagen und ihn nicht fortzustoßen, weil er ihn sonst umbringen müsse.
...Das ist natürlich erstmal ein heftiges Ultimatum. Doch weniger als die Bedrohung durch diese mächtige übersinnliche Entität sieht Yoshiki in dieser sonderbaren Begegnung eine Chance darin, seinen so schmerzlichen Verlust zu verarbeiten und lässt sich darauf ein: Selbst wenn "Hikaru" nur ein Ersatz für seinen verlorenen besten Freund ist.
Was genau "Hikaru" aber eigentlich ist, wieso er Hikarus Gestalt annahm und Yoshikis Gesellschaft und ein Leben als Mensch sucht, wieso der ursprüngliche Hikaru überhaupt auf den Berg ging und starb und was sie mysteriöse Geschichte des Dorfs und seiner Familien damit zu tun hat - sind nur einige von vielen Fragen und Themen, der die Geschichte dabei auf den Grund zu gehen zu versucht.
Der Sommer, in dem Hikaru starb besticht durch ein beachtliches Facettenreichtum - es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, teils eine allgorische Fabel, teils purer Eldritch-Horror, teils märchenhaft und mystisch, eine Erzählung über den Verlust, durchaus auch eine queere Geschichte, trotz aller übersinnlichen Elemente aber vor allem eines: Eine Erzählung, die unsere menschlichsten und verletztlichsten Seiten betrachtet, ans Licht zerrt, und uns zeigt, wie wir uns selbst und andere akzeptieren und lieben lernen können, aller Unterschiede und Unsicherheiten zum Trotze.
Ich muss echt sagen, dass ich immer wieder baff bin. Ich mag ja die japanische Mythologie und überhaupt auch japanische Mistery- und Krimierzählungen. Diese Elemente findet man auch hier. Ich mag aber auch Geschichten, die reale Konflikte auf ihre eigene Art erzählen und dabei Zwischenmenschliches mit scharfem Auge und feinfühliger Empathie widergeben können, ohne sich dabei Klischees oder alberner Überspitzungen bedienen zu müssen. Kitschig ist diese Geschichte nicht, und auch nichts für schwache Herzen. Aber es ist trotz all der düsteren Elemete durchaus auch eine hoffnugnsvolle Geschichte, die in meinen Augen eine starke Kernbotschaft enthält. Auch das Thema der Sexuliatät und Identität wird auf eine Weise aufgegriffen, wie ich sie insbesondere in BL Mangas, die oft nur an Klischees (und ehrlich gesagt auch sexistische und fetischisierende Darstellungen) catern, wie ich bei vielen anderen Mangas sehr vermisse: Realitätstnah, nahbar und feinsinnig.
Ich freue mich aktuell auf jedes neue Kapitel, sehne bereits gebannt die nächste Staffel herbei (die Anime-Adaption ist sehr zu empfehlen und hat auch einen sehr schönen Soundtrack) und dachte mir, ich teile diese tolle Werk einfach mal mit euch, vielleicht steckt es ja noch jemanden an oder kann begeistern x) Ich kann es auf jeden Fall nur empfehlen. ![]()
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