Amazon und die Mindestlöhne

  • Es ist gar nicht lange her, da war Amazon unter verruf, weil es Arbeiter für Billiglöhne einstellt.


    Jetzt frage ich mich aber langsam was das soll - suchen sie sich immer stückchenweise jemanden raus, den sie in Verruf bringen wollen? Ich meine, was soll die Diskussion. Amazon wird vorgeworfen, dass sie Arbeiter mit Einstiegslöhnen von 8,57 € abschmausen. Ehrlich? Wenn sie jemanden angehen wollen, dann vielleicht die Regierung, dass sie es nicht schafft einfach mal nen Mindestlohn zu etablieren.
    Ehrlich, ich habe auch beschwerden gehört, dass die Wachmänner die Arbeiter schikanieren. Darin kenne ich mich auch ein wenig aus, mein Vater hat vor ner Weile ebenfalls bei Wachdiensten gearbeitet. Was hatte er da verdient? 4, 50€ die Stunde. Da kann man es doch wohl nicht verübeln, wenn sie etwas sauer sind - nicht dass es das rechtfertigt - aber über sowas spricht keiner.


    Was soll das also - wieso knüpfen sie sich eine Firma vor um die Probleme zu klären. Amazon hat recht - es geht auch um Konkurrenzfähigkeit. Selbstverständlich könnten auch Amazon anfangen mit guten Löhnen, aber warum wird das nun der Firma vorgeworfen? Warum nicht mal den Wachfirmen? Den Friseurläden?
    Oder meine Schwester die hart racken geht und dennoch nicht vom Harz IV wegkommt? Wo bleibt da die gerechtigkeit? Wo fordert da denn jemand sowas ein?


    ich vertstehe das ganze nicht... Mit gerechtigkeit hat das nichts zu tun, eher mit schikane - besonders da sie jetzt dne nächsten Skandal aufrollen. Amazon verkauft rechte Bücher... Das klingt für mich eher nach Gründen suchen, als nach echter Sorge.

  • Ach, heutzutage will doch jeder jedem nur das Schlechteste. Sieh dir die ganzen Politiker an, in deren Vergangenheit nun nach Fehltritten gesucht wird.


    Was amazon angeht, ich finde 8,50 € die Stunde nun vollkommen in Ordnung... wie du schon sagst, es gibt einige, die wirklich ausgebeutet werden und sich mit 2 € die Stunde zufriedengeben müssen (Praktikantengehalt, juhu!).


    Edit:
    Im Übrigen wäre das Thema im OT glaube ich besser augehoben, wirklich was zu diskutieren gibt's hier glaube ich nicht ^^"

  • Zitat

    Original von Midna
    Edit:
    Im Übrigen wäre das Thema im OT glaube ich besser augehoben, wirklich was zu diskutieren gibt's hier glaube ich nicht ^^"


    Ich bezweifle, dass es jeder sieht wie du und sich aus diesem Thema keine Diskussion herausholen lässt. Deine Sicht der Dinge ist nicht das Nonplusultra. Vielleicht überlässt du so eine Entscheidung also besser unserem Mod Mereko hier in der Ecke, immerhin ist das seine Aufgabe. ;-)



    Vyserhad


    Hast du dazu auch irgendeine Quelle, wo man das nachlesen kann? Denn ich habe davon nichts mitbekommen, doch würde es mich durchaus interessieren, was es an Amazon zu meckern gibt, da das meine Bestellseite Nummer eins ist. Immerhin muss man bei solchen Meldungen ja dennoch immer filtern, was Wahrheit ist und wo die Schikane, wie du sagst, anfängt.

  • Zitat

    Original von Si'naru


    Ich bezweifle, dass es jeder sieht wie du und sich aus diesem Thema keine Diskussion herausholen lässt. Deine Sicht der Dinge ist nicht das Nonplusultra. Vielleicht überlässt du so eine Entscheidung also besser unserem Mod Mereko hier in der Ecke, immerhin ist das seine Aufgabe. ;-)


    Oh - von der Aussage fühle ich mich gerade ehrlich gesagt etwas angegriffen... :/ Wie käme ich denn dazu, sowas zu glauben? Wir sind doch alle Menschen, ist ja ganz normal, dass da oft die wenigsten gleicher Meinung sind. War also keineswegs so gemeint!


    Mein kleiner Edit war lediglich als Vorschlag für Vyserhad gedacht, nicht als "bääh-bääh, Mereko macht seinen Job nicht", also alles gut :)

  • http://www.amazon-verdi.de/hintergrunde/


    Hier haben wir was, heute hatte ich was über drechtsextreme Bücher gesehen, da fühlte ich mich an die Naxchrichten neulich im fernsehen erinnert, wo ich das gesehen habe - leider finde ich jetzt keine geschriebenen Nachrichten, was das ganze noch suspekter macht... Wobei das ein längeres Problem zu sein scheint...


    Dennoch - das Problem mit den Billiglöhnen ist da - und eindeutig aus diskutabel. Es gibt sicher ne ganze Menge von Leuten die das betrifft.

  • Midna: Tut mir leid für die harsche Aussage. Ich hoffe, das raubt dir nicht den Mut, deine Meinung weiterhin zu äußern und Vorschläge zu machen. Ob die Diskussion nun ins OT verschoben wird oder nicht, und das wollte Sarah meiner Ansicht nach sagen, überlassen wir hier unserem Diskussionsmoderator.


    :engel:

  • Den Teil habe ich verstanden, keine Sorge. :)


    Mich hat eher der erste Teil irritiert, da ich zu keinem Zeitpunkt davon ausging, meine Meinung sei das Nonplusultra oder dass alle meiner Meinung sein müssen, und ich im ersten Moment dachte "was soll denn so eine Unterstellung in aller Öffentlichkeit?", auch wenn Si'naru das sicherlich nicht so böse meinte, wie es bei mir ankam... aber danke für die Klärung, Evelyn :)
    Dann werde ich meine Meinung bei sowas in Zukunft für mich behalten, wenn sie so sauer aufstößt.

  • Also ich finde nicht, dass Politiker flächendeckende Mindestlöhne per Gesetz einführen sollten. Der Großteil der sogenannten Niedriglöhner sind nun mal wenig qualifizierte, also niedrigerer Schulabschluss, keinen Berufsausbildung usw. Da ist es schon fast Glück überhaut einen Job zu bekommen und mit einem Mindestlohn von 8,50€ würden viele gar keine Arbeit mehr kriegen. Wenns um Mindestlöhne geht sollen sich das die jeweiligen Branchen untereinander ausmachhen, aber die Politik hat sich da rauszuhallten.


    Und wenns um Gerechtigkeit geht...es gibt viele ausgebildete Fachkräfte die heute für 8,50€ arbeiten, warum soll also ein unausgebildeter Hilfsarbeiter in Zukunft das gleiche bekommen??? Gerecht ist nicht, dass jeder das gleiche kriegt, sondern das was er verdient. Natürlich verdienen Frieseure mehr als 4€ die Stunde. Dann müssten wir Alle aber auch das 3 bis 4-fache bei unserem nächsten Haarschnitt auf den Tresen legen.


    Auch wenn´s etwas extrem wäre...ich würd ja am liebsten alle Sozialabgaben abschaffen und somit wäre die Diskussion um Niedriglöhne vom Tisch.

  • Warum man Amazon für diese Firmenpolitik nicht kritisieren soll leuchtet mir jetzt nicht ein. Weil andere das auch machen?


    Natürlich verkaufen sich Schlagzeilen besser, wenn ein großes Unternehmen - noch dazu Marktführer in seiner Branche - am Pranger steht, als irgend ein Friseusalon, den außer in der unmittelbare Nachbarschaft keiner kennt.
    Darüber kann man natürlich streiten, und sicherlich lenkt es den Blick von den vielen kleinen Ungerechtgkeiten, wenn immer nur auf die großen Unternehmen gezeigt wird.
    Gleichzeitig ist da aber doch auch die Signalwirkung viel höher. Weil Unternehmen wie Amazon nun einmal mehr Beachtung finden, führt Kritik an ihnen vielleicht eher zu Veränderung im allgemeinen.


    Ich bin übrigens auch für einen allgemeinen Mindestlohn, einfach aus dem Grund, weil ich der Meinung bin, jemand der 40 Stunden pro Woche arbeitet, sollte davon leben können.
    Ob die Person jetzt 10 Jahre studiert hat oder nicht mal einen Hauptschulabschluss hat ist mir da erstmal egal. Miete zahlen und meine Kinder versorgen muss ich in beiden Fällen.

  • Zitat

    Original von Si'naru
    Vyserhad


    Hast du dazu auch irgendeine Quelle, wo man das nachlesen kann? Denn ich habe davon nichts mitbekommen, doch würde es mich durchaus interessieren, was es an Amazon zu meckern gibt, da das meine Bestellseite Nummer eins ist. Immerhin muss man bei solchen Meldungen ja dennoch immer filtern, was Wahrheit ist und wo die Schikane, wie du sagst, anfängt.



    Amazon hat in jüngster Zeit insbesondere wegen folgender ARD-Doku Schlagzeilen gemacht:
    http://www.ardmediathek.de/das…mazon?documentId=13402260
    Darin spielt die Bezahlung selbst eine eher untergeordnete Rolle, es geht vielmehr darum, wie mit den Hilfsarbeitern umgegangen wird. Falsche Versprechungen, Ausnützen prekärer Situationen, fauler Umgang mit Arbeitsrechten, Schikane durch Thor-Steinar-Arschloch-Security H.E.S.S. (von der sich amazon in Folge dessen getrennt hat), usw. Die Doku geht nur eine halbe Stunde; auch wenn sie teils etwas melodramatisch inszeniert ist, ist sie schon sehenswert und wirft dabei tatsächlich kein allzu gutes Licht auf amazon.

  • Ich habe mir die Sendung auf ARD angesehen und ehrlich gesagt schockiert. Das Schlimme ist - es ist Realität und es bleibt Realität. Das noch Schlimmere daran ist: In Zukunft wird sich dieses Modell ausweiten.


    Um kurz ein wenig beim Thema "Moderner Arbeitsmarkt = Sklavenmarkt" auszuschweifen: Meine frühere Arbeitskollegin beschrieb mir, dass sie zuvor bei einer anderen Firma als Praktikantin angefangen hatte - mit 70 anderen. Diese machten den ganzen Tag nichts anderes, als Bilder für einen Versandhandel auszuschneiden - was ein sehr abstumpfender Job ist, wenn jemand von euch einmal ein Objekt aus einem Bild ausgeschnitten hat. Für 400 Euro im Monat, 40h die Woche, vertraglich Minimum 8 Überstunden pro Woche unbezahlt. Es gibt Firmen, die halten mehr Praktikanten für ähnliche Jobs - Hunderte. Befristet für wenig Geld, mit weniger Rechten. Schafft wiederum wenig Festeinstellungen mit moderatem Gehalt und für mich weniger Job-Perspektiven.


    Moderne Sklaverei geht leider an keinem von uns vorbei; es fängt bei Amazon und den Leiharbeitern an und hört bei Zeitarbeitsfirmen und massenhaft Praktikantenstellen auf. Es wird zunehmen - dabei spielt es immer weniger eine Rolle, ob Ausbildung oder Hochschulabschluss. (Junge) Arbeiter gibt es genug.

  • Zitat

    (Junge) Arbeiter gibt es genug.


    Ja, da genau liegt das Problem. Es gibt soviel Auswahlmöglichkeiten für die Arbeitgeber, aber zu wenig für die Arbeitnehmer. Und das fürht dazu, dass die Arbeitnehmer sich nicht trauen, was gegen miese Arbeitsbedingungen zu sagen, weil sie fürchten ihren Job zu verlieren.


    Ich meine - was Jade gerade erzählt, dass vertraglich 8 unbezahlte Überstunden abgesteckt sind ist unfair. Ich meine, wozu gibt es gesetze? Für meine Schwester, die das Problem mit Überstunden hatte bei PLUS, habe ich mal recherchiert. und im Gesetz steht drinn, dass es entweder ausgleichstage geben muss oder es bezahlt wird. Wozu also gibt es solch ein gesetz, wenn sich niemand traut, darauf zu beharren? Da ist eindeutig was im argen.


    Zitat

    Meine frühere Arbeitskollegin beschrieb mir, dass sie zuvor bei einer anderen Firma als Praktikantin angefangen hatte - mit 70 anderen. Diese machten den ganzen Tag nichts anderes, als Bilder für einen Versandhandel auszuschneiden - was ein sehr abstumpfender Job ist, wenn jemand von euch einmal ein Objekt aus einem Bild ausgeschnitten hat.


    Das ist doof - leider muss es auch Leute geben die stumpsinnige Arbeit erfüllen, sofern sie sinnvoll ist - aber da sollte der Arbeitgeber für Abwechslung sorgen. Manchmal denke ich, dass vielen ihre Angestelten egal sind... gibt ja genug nachschub...


    ApothekenHeidi: Ah, ich hatte nur ne Nachricht gehört, diese Doku hatte ich gar nicht gesehen und muss ich noch nachholen


    Zitat

    Schikane durch Thor-Steinar-Arschloch-Security H.E.S.S.


    Mhhh - wenn es von rechts kommt, dann ist das arg - aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass da noch anderes mit reinspielt. Waxchleute kriegen nämlich echt wenig - weniger als die 8 - 9 € für die Angestellten. ich weiß nicht, wie es in diesem Fall ist, aber ich denke, wenn man für 5 € arbeitet geht es einem gegen den Strich, dass andere mit 8-9€ sich darüber beschweren .


    Wobei ich jetzt keine genau Ahnung darüber habe und mir erstmal noch nen genaueres Bild machen muss.



    Zitat

    Warum man Amazon für diese Firmenpolitik nicht kritisieren soll leuchtet mir jetzt nicht ein. Weil andere das auch machen?


    ich denke, man sollte nicht bei den Firmen anfangen, weil das nichts bring. Es gibt einfach zu viele. Ich selber bin dafür, dass ein mindestlohn eingeführt wird - meinetwegen auch branchenabhängig (also mit Grundwert von 10 € und jeder Branche kann da noch was zulegen). Aber das sollte über die Politik gehen - und nicht über einzelne Firmen. Die sind nicht daran interessiert, wie es den Arbeitern geht, die wollen natürlich gewinne machen.

  • Vyserhad


    Also in meinem Arbeitsvertrag sind auch 6 unbezahlte Übersttunden pro Woche drin, aber ich bekomme auch ein Festgehalt und werde nicht nach Stunden bezahlt. Da ist nähmlich auch der Unterschied, wer nach Stunden arbeitet kann natürlich drauf beharren diese bezahlt zu bekommen. Aber bei Gehaltsempfängern sind meistens Überstunden im Gehalt eingerechnet.

  • Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege - aber wenn man sich auf einen Vertrag einlässt, der vom Gesetz abweicht (i.e. unvergütete Überstunden), hat man meines Wissens nach seinen Anspruch auf dieses Gesetz / Recht verwirkt.


    Du könntest den Vertrag ja auch einfach nicht unterschreiben, zwingt dich ja keiner - wenn doch dann wäre es was anderes - aber dadurch, dass man freiwillig so einen Stuss à la "40h Stunden die Woche, 8 unvergütete Überstunden, monatliches Gehalt 400 €" unterschreibt, sagt man dem Arbeitgeber "ich bin bereit, für unser Arbeitsverhältnis vom Gesetz abzusehen".


    Also... man ist im Grunde selbt schuld an der Ausbeutung, die man erfährt. Im GRUNDE. Natürlich spielen da noch die andere Dinge rein, eben dass man bspw. in der Medienbranche oder Gastronomie quasi immer ausgebeutet wird, egal wohin man geht - aber es gibt auch in diesen Branchen schlechtere und bessere Stellen, und wenn man freiwillig eine schlechtere annimmt, weil man keine Zeit hat, nach einer besseren zu suchen... blöd gelaufen, aber da ist der Arbeitgeber im Recht :/ Hindert einen ja niemand daran, während des Jobs nach was besserem zu suchen... das vergessen leider viele.


    Aber wie gesagt, korrigiert mich bitte, wenn ich da einem Irrglauben erliege ^^

  • Zitat

    Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege - aber wenn man sich auf einen Vertrag einlässt, der vom Gesetz abweicht (i.e. unvergütete Überstunden), hat man meines Wissens nach seinen Anspruch auf dieses Gesetz / Recht verwirkt.


    Da liegst du im Irrglauben. Ein Vertrag darf kein gesetz brechen - er verliert an Gültigkeit - bzw. dieser Part ist ungültig. Jede ausnahme muss auch gesetzlich festgelegt sein. Ansonsten könnte ich mir ja von dir unterschreiben lassen, dass du mir deinen rechten Arm schenkst (um es mal überspitzt zu sagen). Aber das widerum wissen nicht viele und überprfüen es in dem Gesetzeshaufen auch nicht nach - ich wüsste jetzt auch nicht auf anhieb, wo ich so was finden würde.


    Also das gesetz bestimmt alles, wo ein gesetz etwas nicht bestimmt gibt es Lücken - über die entscheidet notfalls ein gericht.


    Davon hast auch du als Unterschreiber das Recht, einem Vertrag was zuzusetzen oder abzulehen. Ob der Arbeitgeber darauf eingeht ist dann die andere Sache - aber das Recht hat man.


    Morrissey: Oh, das habe ich nicht beachtet, dass es ja auch Leute mit festem Gehalt gibt - aber ich denke mich erinnern zu können, dass man auch diese ausgleichen darf in einem anderem Monat???


    Zitat

    Aber bei Gehaltsempfängern sind meistens Überstunden im Gehalt eingerechnet.

    Ok...

  • Ah, danke dir, Vyserhad. Und danke, Mutter Gesetz, das ist irgendwie beruhigend zu wissen :xugly:


    Und auch noch in Fortsetzung zu Morrisseys Beitrag:
    Ich hab mich gerade nochmal schlau gemacht, und im Fall "unvergütete Überstunden" muss man klar zwischen Festgehalt und Stundengehalt unterscheiden.


    Im Festgehalt dürfen begrenzte unbezahlte Überstunden enthalten sein. Die müssen aber im Arbeitsvertrag festgehalten sein und eine feste Zahl ergeben, bspw. eben 8 h. Ungefähre Floskeln sind nicht rechtens. Diese Überstunden sind also etwas, was der Arbeitnehmer maximal für sein Festgehalt leisten muss. (Quelle)


    Im Stundengehalt muss dann wahrscheinlich tatsächlich jede Überstunde vergütet werden, entweder durch den Stundenlohn oder eine Freistunde.


    Was mir noch eingefallen ist, gerade zum Thema 400-Euro-Jobs bzw Praktika: Gegen diese Ausbeutung kann man was tun. Wenn du als Praktikant die gleichen Arbeiten in quasi gleichem Umfang erledigen musst wie ein "gerecht bezahlt" Arbeitender der gleichen Stelle/Branche, darfst du auch nachträglich das volle Gehalt für diese Stelle einfordern. Dazu ist nötig, dass man Buch führt, welche Aufgaben man wann verrichtet, welche Verantwortlichkeiten man hat etc. - und dann empfiehlt es sich, diese Forderung erst dann zu stellen, wenn man einen neuen Job in Aussicht und auf dem Weg zur Kündigung des alten ist ;-) Ich hatte selbst überlegt, das zu machen, da ich ein halbes Jahr lang in einer Kita als volle Arbeitskraft eingesetzt wurde, 38 h pro Woche, 400 € im Monat, und hab es dann letztlich, mh, ja, aus Bequemlichkeit nicht gemacht, denke ich... allerdings ist es jedermanns gutes Recht, für seine Arbeit auch ein gerechtes Gehalt zu empfangen, und wenn man also objektive Indikation dafür hat, dass man unterbezahlt ist - ab zum Rechtsanwalt und dann vor's Gericht, dann muss der Arbeitgeber einem das komplette Gehalt nachzahlen ;-)

  • Ach, das ist gut - wmir war diese Unterteilung bislang gar nicjht bewusst.


    @Buchführung: Das sollte man generell halten, wenn es um eigene Rechte geht. Sei es nun in Falle von Mobbing am Arbeitsplatz oder eben sowas - alles was ich darüber erfahren habe, zeigt mir eigentlich nur, dass ein solches Buch gut ist

  • Zitat

    Original von Vyserhad
    Mhhh - wenn es von rechts kommt, dann ist das arg - aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass da noch anderes mit reinspielt. Waxchleute kriegen nämlich echt wenig - weniger als die 8 - 9 € für die Angestellten. ich weiß nicht, wie es in diesem Fall ist, aber ich denke, wenn man für 5 € arbeitet geht es einem gegen den Strich, dass andere mit 8-9€ sich darüber beschweren .


    Tjo, da stellt sich halt aber auch in der Reaktion der jeweiligen Protagonisten die Frage der Verhältnismäßigkeit. Es ist ja nicht so, dass die Leiharbeiten in ihren Bungalows im Whirlpool abhängen, Prosecco schlürfen und sich dabei über unfaire Bezahlung äußern würden und die Security bloß böse Blicke würfe.


    Zitat

    Original von Vyserhad
    ich denke, man sollte nicht bei den Firmen anfangen, weil das nichts bring. Es gibt einfach zu viele. Ich selber bin dafür, dass ein mindestlohn eingeführt wird - meinetwegen auch branchenabhängig (also mit Grundwert von 10 € und jeder Branche kann da noch was zulegen). Aber das sollte über die Politik gehen - und nicht über einzelne Firmen. Die sind nicht daran interessiert, wie es den Arbeitern geht, die wollen natürlich gewinne machen.


    Na ja, gerade im beispiel amazon geht's ja auch darum, wie Rechte verletzt werden. In dem Sinne sollte man schon auf die einzelnen Firmen schauen, denn was bringen Gesetze, wenn sich niemand daran hält. So etwas passiert ja tatsächlich viel zu oft - überall. Meine Cousine zB hat vor drei Monaten eine neue STelle angetreten und hat im Schnitt statt der vereinbarten 40 Stunden 52 pro Woche gearbeitet. Die Überstunden wirklich rauszukriegen, ist gar nicht so einfach. Da sist ne längere Geschichte; sie will am liebsten gekündigt werden, wird aber vermutlich demnächst selber kündigen und sich etwas Neues suchen.


    Aber klar, für die großen Fragen und Standards ist die Politik verantwortlich. Aber ich mag den dann naheliegenden Gedanken nicht - ohne ihn dir unterstellen zu wollen! -, die Firmen aus der Verantwortung zu nehmen und mögliche Ausreden à la "Wir haben ja nur getan, was möglich war" hinzunehmen. Es ist immer auch eine Frage der Werte und Normen einer Gesellschaft.


    Zitat

    Original von Midna
    Bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege - aber wenn man sich auf einen Vertrag einlässt, der vom Gesetz abweicht (i.e. unvergütete Überstunden), hat man meines Wissens nach seinen Anspruch auf dieses Gesetz / Recht verwirkt.


    Das ist vor allem auch nicht so, weil sich ein Vertragspartner oft gar nicht bewusst ist, was für Standards oder eben Gesetze gelten. Gerade die schwächeren Vertragspartner sollen geschützt werden, deshalb genießen zB Mieter auch starke Rechte, da ja in der Regel die stärkere Partei, hier der Vermieter, den Vertragsvorschlag macht. In vielen Mietverträgen sind bspw. Klauseln enthalten, dass eine Wohnung nach x Jahren so und so zu renovieren sei. Das ist eine so genannte starre Klausel, die als solche ungültig ist und an Stelle derer dann die staatliche, mieterfreundliche Standardregelung in Kraft tritt. Über unseren Rechtstaat können wir uns imo schon weitgehend glücklich schätzen. Was natürlich nicht heißt, dass alles prima wäre, und das wirds vermutlich nie sein. Ich bin sehr gespannt, was mit dem Mindestlohn geschieht, weil niemand wirklich wissen kann, was für Auswirkungen er hätte. Aber ich bin wohl dafür, dem mal einen Versuch zu geben. :)

  • Zitat

    Original von Vyserhad
    ich weiß nicht, wie es in diesem Fall ist, aber ich denke, wenn man für 5 € arbeitet geht es einem gegen den Strich, dass andere mit 8-9€ sich darüber beschweren.


    Dann hat man aber ein ziemlich verqueres Gerechtigkeitsempfinden. Nur weil man noch ungerecht behandelt wird, kann man anderen die ebenfalls ungerecht behandelt werden doch nicht das Recht absprechen das zu tun.


    Zitat

    Original von Morrissey
    Also ich finde nicht, dass Politiker flächendeckende Mindestlöhne per Gesetz einführen sollten. Der Großteil der sogenannten Niedriglöhner sind nun mal wenig qualifizierte, also niedrigerer Schulabschluss, keinen Berufsausbildung usw. Da ist es schon fast Glück überhaut einen Job zu bekommen und mit einem Mindestlohn von 8,50€ würden viele gar keine Arbeit mehr kriegen. Wenns um Mindestlöhne geht sollen sich das die jeweiligen Branchen untereinander ausmachhen, aber die Politik hat sich da rauszuhallten.


    Woher nimmst du den die Angabe, dass ein Großteil der Niedriglöhner aus Geringqualifizierten besteht?


    Zitat

    Original von Morrissey
    Und wenns um Gerechtigkeit geht...es gibt viele ausgebildete Fachkräfte die heute für 8,50€ arbeiten, warum soll also ein unausgebildeter Hilfsarbeiter in Zukunft das gleiche bekommen??? Gerecht ist nicht, dass jeder das gleiche kriegt, sondern das was er verdient. Natürlich verdienen Frieseure mehr als 4€ die Stunde. Dann müssten wir Alle aber auch das 3 bis 4-fache bei unserem nächsten Haarschnitt auf den Tresen legen.


    Erst einmal sollte man für gleiche Arbeit, das gleiche Geld verdienen egal ob gut ausgebildet oder nicht, denn man macht ja die gleiche Arbeit.
    Du sagst Gerecht ist es das jeder das kriegt was er verdient. Auch eine Putzkraft, die Vollzeit arbeitet verdient es von ihrem Lohn leben zu können.


    Dann müssen wir auch mehr bezahlen. Wenn jedoch ein Mindestlohn eingeführt wird steigen auch die Gehälter die knapp darüber sind und daher erhöht sich die Geldmenge in der Bevölkerung die wenig verdient. Das wirkt sich soweit nach oben aus, bis zu einer Gehaltsgruppe, die das 3fache beim Friseur auch zahlen kann.


    Zitat

    Original von Vyserhad
    Auch wenn´s etwas extrem wäre...ich würd ja am liebsten alle Sozialabgaben abschaffen und somit wäre die Diskussion um Niedriglöhne vom Tisch.


    Was ist das für ein Argument? Wir können auch die Rentenkassen streichen und jeder schaut im Alter selbst wie er klar kommt, dann ist die Diskussion um Rente mit 67 vom Tisch. Jeder legt dann selbst für sich Geld weg und wenn das gesparte durch eine Inflation aufgefressen wird hat man halt Pech. :rolleyes:


    Ich denke das ganze driftet zu sehr ab, vielleicht eröffne ich einen Mindestlohn-Thread.


    Zu Amazon:
    Wie schon gesagt wurde geht es nicht um die Höhe, der geht es weitaus schlechter. Es geht um die Arbeitsbedingungen und das ignorieren von Tarifverträgen.


    Natürlich ist es gut sowas Publik zu machen, Amazon gerät unter Druck und jetzt wurden schon Sachen verbessert. Ohne diesen Skandal wäre das nicht passiert.


    Leider passiert sowas immer öfter. Die Zivilgesellschaft muss sich dagegen wehren und nicht sagen mir geht es auch schlecht. Nur wenn alle überall hinschauen und auch mit ihrem Geldbeutel abstimmen (Boykott) wird auch was passieren und irgendwo muss aufgepasst werden.
    Ich selbst erachte Politik und Gesetze als sehr wichtig, aber der wichtigste Faktor in Sachen Gerechtigkeit ist nun einmal die Zivilgesellschaft, da kann man sich nicht nur auf Politiker verlassen. Daher gehört sowas in die Presse und die Bürger sollen sich empören.


    In my time we didn't depend on hi-tech gadgets like you do, we didn't need a mechanical washing unit to wash our clothes, we just used a washing machine. [Philip J. Fry]

    Einmal editiert, zuletzt von _Antiheld ()

  • Meine Mutter hatte mir ja erzählt,mit der Sache von Amazon und was da gerade passiert war.
    Besonders wegen dem Namen der Firma.
    Ich finde es einfach nur unglaublich,und das immer wieder aufs neue,wie Amazon & Co. solche Firmen mit solchen Namen einstellen tut.
    Schon allein der Firmenname muss doch schon zu denken geben und sagen: ,,Die Firma hat nicht mehr alle Latten am Zaun!"
    Da kann ich doch irgendwie kein Verständnis zeigen.
    Die Firma haben se ja jetzt gekündigt und eine neue eingestellt.
    Aber das gute liebe Geschäft ,,Amazon" wird jetzt immer einen Kratzer haben.

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